Die große Steinmeyer-Orgel in St. Lukas gehört zu den bedeutendsten erhaltenen Orgeln der 1930er Jahre im süddeutschen Raum. Sie ist ein herausragendes Klangdokument der Spätromantik — und ein Instrument mit einer bewegten Geschichte.
Das Instrument
Die heutige Orgel wurde 1932 von der Firma G. F. Steinmeyer & Co. aus Oettingen als Opus 1568 gebaut und am 18. Dezember 1932, dem 4. Adventssonntag, eingeweiht. Sie verfügt über 72 Register auf Taschenladen (darunter fünf Transmissionen), verteilt auf vier Manuale und Pedal. Die Traktur ist elektropneumatisch. Insgesamt umfasst das Werk 4560 Pfeifen.
Eine Besonderheit ist das Rückpositiv in der Emporenbrüstung — es war das erste seiner Art in einer Münchner Kirche.
Geschichte
Die erste Orgel (1896): Die Lukaskirche erhielt bereits zur Einweihung 1896 eine Steinmeyer-Orgel (Opus 578) mit 34 Registern auf zwei Manualen und Pedal. Auf diesem Instrument spielten unter anderem Max Reger (1909), Albert Schweitzer (1912) und Thomaskantor Karl Straube. In der zeitgenössischen Presse wurde St. Lukas als “Orgelmekka” bezeichnet.
Neubau 1932: Dem Neubau ging ab 1925 eine mehrjährige Planungsphase voraus. Ursprünglich war ein Instrument mit 84 Registern geplant, das aus wirtschaftlichen Gründen auf 72 Register reduziert wurde. Die Orgel wurde im Klanggeist der Spätromantik erbaut und innerhalb von vier Monaten fertiggestellt.
Umgestaltung 1967: Bei einer Generalsanierung durch die Firma Steinmeyer wurde das gesamte Pfeifenwerk im Geist der sogenannten Orgelbewegung neuintoniert und dem damals vorherrschenden neobarocken Klangideal angepasst. Das zweite Schwellwerk wurde ausgebaut, der historische Spieltisch massiv verändert. Aus heutiger Sicht war dieser Eingriff problematisch: Die Wärme und Fülle des spätromantischen Originalklangs ging verloren. An einzelnen Registern lässt sich das ursprüngliche Klangbild von 1932 bis heute erahnen.
Neuer Spieltisch 2016: In einem vorgezogenen Sanierungsschritt wurde ein neuer mobiler Spieltisch im Kirchenschiff installiert, gefertigt von der Firma Eisenschmid in Andechs.
Sanierung — die Orgel bekommt ihre Stimme zurück
Die Lukaskirche ist seit April 2024 für eine Gesamtsanierung geschlossen — voraussichtlich bis April 2027. In dieser Zeit wird auch die Steinmeyer-Orgel grundlegend restauriert. Es ist die Chance, dem Instrument nach fast 60 Jahren das zurückzugeben, was ihm 1967 genommen wurde: seinen spätromantischen Originalklang.
Die Arbeiten werden von der Karl Schuke Berliner Orgelbauwerkstatt durchgeführt. Geplant ist die Rückführung auf das Klangbild von 1932, die denkmalgerechte Restaurierung der 90 Jahre alten Elektrotechnik sowie die Ergänzung um sechs neue Register, die dem Instrument zusätzliche Klangfarben verleihen.
Die Orgelsanierung ist ein aufwändiges und kostenintensives Vorhaben. Wenn Sie dazu beitragen möchten, dass die Steinmeyer-Orgel in neuem alten Glanz erklingt, freuen wir uns über Ihre Unterstützung.
Mehr zur Gesamtsanierung der Lukaskirche erfahren Sie unter bewegt.sanktlukas.de.
Kirchenmusik an der Steinmeyer-Orgel
Lukaskantor ist seit 2015 Kirchenmusikdirektor Tobias Frank. Unter seiner Leitung wird die Steinmeyer-Orgel in Gottesdiensten und Konzerten bespielt und ihr besonderer Klangcharakter gepflegt.
An St. Lukas entstand auch das Projekt Dupré Digital — eine digitale Edition des Gesamtwerks des französischen Organisten Marcel Dupré, das die internationale Orgelforschung bereichert.
Disposition
Die Steinmeyer-Orgel verfügt über 72 Register auf vier Manualen und Pedal. Die vollständige Disposition ist auf Organ Index dokumentiert.