Zu Beginn der Konfi-Saison 2025/26 wurde die zweite Pfarrstelle in St. Lukas überraschend vakant. In bester nachbarschaftlicher Verbundenheit der evangelischen Innenstadtgemeinden sprang Pfarrerin Dr. Friederike Bäumer aus St. Matthäus ein und übernahm die Leitung eines gemeinsamen Konfirmandenkurses beider Gemeinden.

Foto: Elisa Hammerbacher
Nach der Weihnachtspause nimmt der Kurs nun seine Arbeit wieder auf. Mittlerweile ist klar: die vakante Stelle wird ab dem 1. März wieder mit Pfarrer Steve Kennedy-Henkel besetzt, der die Lukas-Konfiarbeit gemeinsam mit seiner Kollegin fortführen wird.
Wir sprachen mit Friederike Bäumer über ihre Zeit in der Vakanz und den bevorstehenden Übergang.
St. Lukas: Frau Bäumer, wie läuft der gemeinsame Konfirmandenkurs im St. Matthäus mit den Lukas-Konfirmandinnen und -Konfirmanden dieses Jahr ab – wie oft treffen Sie sich mit den Jugendlichen und wie sieht Ihr Team aus?
Friederike Bäumer: Der gemeinsame Konfikurs für Jugendliche aus St. Matthäus und St. Lukas trifft sich etwa alle zwei Wochen am Montagabend – aktuell immer in der St. Matthäuskirche. Dieser Rhythmus passt gut. Er lässt Raum für Schule, Freizeit und Familie und funktioniert auch in einer Innenstadtgemeinde.
Gerade im Winter braucht das gute Begleitung. Die Kirche liegt am Nußbaumpark, viele Treffen finden im Dunkeln statt. Deshalb achten wir sehr auf klare Abläufe. Die Konfi-Zeit soll verlässlich sein. Und sie soll ein sicherer Ort sein, an dem sich Jugendliche wohlfühlen.
Bis zum Jahresende haben wir den Kurs gemeinsam mit Vikarin Anna Weingart und Malte Ohlmann aus dem Kirchenvorstand von St. Matthäus geleitet. Seit Beginn dieses Jahres ist Susanne Kohls aus St. Lukas Teil des Teams. Die Arbeit mit engagierten Ehrenamtlichen erleben wir als große Stärke. Sie trägt die Konfi-Arbeit – gerade in dieser besonderen Phase.
Ab März wird dann Pfarrer Steve Kennedy-Henkel in die Konfiarbeit mit einsteigen. Wir werden den Kurs gemeinsam weiterführen.
St. Lukas: Was macht für Sie die besondere Dynamik aus, wenn Konfirmandinnen und Konfirmanden aus verschiedenen Gemeinden zusammen unterwegs sind?
F.B.: Wir sprechen bewusst nicht von Konfi-Unterricht, sondern von Konfi-Arbeit. In unserer Arbeit mit den Konfis wollen wir einen Lern- und Erfahrungsraum schaffen. Einen Raum, der sich an ihrer Lebenswelt orientiert. Und in dem junge Menschen merken können: Das ist was für mich.
Glaube wird dabei nicht nur erlebt, sondern auch reflektiert. Jugendliche lernen, eigene Fragen zu stellen, Positionen zu entwickeln und Sprache für das zu finden, was ihnen wichtig ist.
Im Leben von Konfis spielen die Grenzen von Kirchengemeinden kaum eine Rolle. Wichtiger sind Freundschaften, gute Erfahrungen und das Gefühl, dazuzugehören. Genau daran knüpft die gemeinsame Konfi-Arbeit an.
Jugendliche erleben sich als Gruppe. Sie machen miteinander positive Erfahrungen. Und sie entdecken Kirche als einen Raum, der ihnen dafür Platz bietet. Offen, verlässlich und nah an ihrem Leben.
St. Lukas: Welche Formate setzen Sie im Kurs ein, um die Jugendlichen zu erreichen?
F.B.: Wir arbeiten in Kleingruppen. Der aktuelle Kurs ist größer – eine Übergangsphase, bis ab März in St. Lukas die Stelle mit Pfarrer Steve Kennedy-Henkel wieder besetzt ist. Die Kleingruppen helfen uns, nah dran zu bleiben. Sie machen Austausch möglich. Und sie geben allen Platz.
Natürlich gibt es inhaltliche Schwerpunkte und theologische Themen. Entscheidend ist für uns aber etwas anderes: Konfi-Arbeit ist Beziehungsarbeit. Zwischen den Jugendlichen. Und zwischen Jugendlichen und dem Team. So wächst Vertrauen.
Wir arbeiten dabei mit viel Erfahrung in der Konfi- und Jugendarbeit. Diese Erfahrung hilft uns, Gruppenprozesse gut zu begleiten, Jugendliche ernst zu nehmen und auch sensible Themen verantwortungsvoll zu bearbeiten.
Ergänzend planen wir eine Konfifreizeit. Sie wird von Ehrenamtlichen begleitet, auch aus St. Lukas. Diese Zeit ist besonders intensiv. Sie stärkt die Gruppe. Und sie wirkt lange nach.
St. Lukas: Die Innenstadtgemeinden werden weiter zusammenwachsen. Wo sehen Sie Chancen für gemeindeübergreifende Jugendarbeit?
F.B.: Gerade in der Jugend- und Konfi-Arbeit sehen wir große Chancen für gemeindeübergreifende Zusammenarbeit. Jugendliche bewegen sich längst über Gemeindegrenzen hinweg. In Schule, Freizeit und online. Daran kann Kirche gut anknüpfen.
Gemeinsame Arbeit gelingt dann besonders gut, wenn wir uns gemeinsam an denen orientieren, für die wir diese Arbeit machen: an den jungen Menschen. An ihrer Lebenswelt. An ihren Fragen. Und an dem, was sie gerade brauchen.
So entstehen gute Erfahrungen. Jugendliche fühlen sich gesehen. Sie erleben Gemeinschaft. Und sie entdecken Kirche als einen Raum, der trägt und gut tut.
St. Lukas: Was würden Sie Eltern aus St. Lukas sagen, die überlegen, ob sie ihr Kind zur Konfi-Zeit anmelden sollen?
F.B.: Wir sagen Eltern offen: Dieses Jahr ist eine besondere Situation. Gleichzeitig ist die Konfi-Zeit gut organisiert und verlässlich begleitet.
Für die Jugendlichen ist diese Zeit mehr als ein Termin im Kalender. Sie lernen, sich selbst besser wahrzunehmen. Sie setzen sich mit Fragen von Glauben, Werten und Verantwortung auseinander. Und sie entwickeln Sprache für das, was ihnen wichtig ist. Das stärkt Persönlichkeit und Haltung.
Zugleich erleben sie Gemeinschaft. Sie knüpfen neue Kontakte. Sie lernen, sich in einer Gruppe zu bewegen und ihren Platz zu finden. Kirche wird so zu einem Raum, in dem junge Menschen ernst genommen werden und wachsen können.
Ab März wird von St. Lukas Pfarrer Steve Kennedy-Henkel die Konfiarbeit mit übernehmen. Wir werden den Kurs dann gemeinsam weiterführen und neu ausrichten. Diese Übergangszeit verstehen wir als Chance: Wir sammeln Erfahrungen, schärfen unser Profil und entwickeln die Konfi-Arbeit weiter – immer mit dem Blick auf die jungen Menschen.
St. Lukas: Frau Bäumer, vielen herzlichen Dank für Ihr Engagement in der Konfi-Arbeit während der Vakanzzeit und für das offene Gespräch. Alles Gute auch für ihre Arbeit in St. Matthäus und den weiteren Kurs!


