
Christlicher Glaube und sexualisierte Gewalt sind unvereinbar
Sexualisierte Gewalt – sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, sexuelle Belästigung und Grenzüberschreitungen kommen vor – leider auch in der Kirche. Mit dem christlichen Glauben ist das unvereinbar. Es widerspricht all dem, wofür wir als Kirche stehen.
Prävention und Schutzkonzept
Schutz vor sexualisierter Gewalt geht uns alle an. Denn jeder Mensch hat ein Recht auf ein Leben in Würde und Achtung der körperlichen und geistlichen Selbstbestimmung. Dafür stehen wir als Kirchengemeinde St Lukas und dafür setzen wir uns aktiv ein.
Für uns ist es sehr wichtig, dass diese Haltung in unserem täglichen Handeln deutlich zum Ausdruck kommt. Aus diesem Grund haben wir in enger Abstimmung mit der Fachstelle für den Umgang mit sexualisierter Gewalt in der ELKB ein Schutzkonzept erarbeitet, in dem klare Abläufe und präventive Maßnahmen beschrieben sind.
Teil unseres Schutzkonzeptes sind ein Leitbild und ein Verhaltenskodex, an denen wir unsere Arbeit ausrichten und auf die sich alle Mitarbeitenden schriftlich verpflichten.
Das Schutzkonzept ist mehr als ein Regelwerk. Es steht für eine Kultur des Miteinanders, für eine Haltung, die Unbehagen ernst nimmt und nicht kleinredet. Die hinhört, wenn etwas nicht stimmt.
Leitbild der Kirchengemeinde St Lukas
Jeder Mensch ist nach Gottes Ebenbild geschaffen – einmalig und wunderbar. Dies verleiht uns Menschen eine unveräußerliche Würde – unabhängig von Alter, Geschlecht, sexueller Identität, Behinderung oder ethnischer Herkunft.
In unserer Kirchengemeinde St. Lukas achten wir diese Würde und setzen uns dafür ein, dass sie in allem, was wir tun, respektiert wird. Wir übernehmen Verantwortung für den Schutz der uns anvertrauten Personen vor grenzüberschreitendem Verhalten und Übergriffen, vor physischer, psychischer und sexualisierter Gewalt. Wir tolerieren keine Gewalt in unserer Kirchengemeinde.
Wir wollen Menschen sichere Räume bieten, in denen sie Gottes Segen erfahren können. Besondere Achtsamkeit legen wir dabei auf Kinder, Jugendliche und andere schutzbedürftige Menschen. Wir schaffen einen sicheren Rahmen, in dem Nähe, Gemeinschaft und der christliche Glaube in gegenseitigem Respekt erlebbar werden.
Wir wissen, dass da, wo Menschen einander begegnen, auch das Risiko für Verletzungen und Fehler besteht. Diese werden, wenn sie geschehen, nicht verschwiegen. Wo es zu Grenzüberschreitungen oder gar Übergriffen kommt, unterstützen wir aktiv den sensiblen Umgang mit Beschwerden und Fehlern. Dabei orientieren wir uns an einer Kultur der Achtsamkeit und Transparenz.
In unserem Verhaltenskodex ist klar und verbindlich festgelegt, wie dieses Leitbild in unserer täglichen Arbeit konkret umgesetzt wird. Zu diesem verpflichten sich alle hauptberuflichen, neben- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden schriftlich.
Verhaltenskodex der Kirchengemeinde St Lukas
Die Arbeit in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern lebt durch Beziehungen von Menschen miteinander und mit Gott. Unsere Arbeit mit allen Menschen, insbesondere mit Kindern, Jugendlichen und Schutzbefohlenen, ist getragen von Respekt, Wertschätzung und Vertrauen.
Ich verpflichte mich zu folgendem Verhaltenskodex:
- Ich trage dazu bei, ein sicheres, förderliches und ermutigendes Umfeld für mir anvertraute Menschen, insbesondere Kinder und Jugendliche, zu schaffen und/oder zu erhalten. Diese Verpflichtung pflege ich auch im Umgang mit Kolleg*innen, mir zugeordneten Mitarbeitenden und Vorgesetzten.
- Ich setze mich aktiv für Prävention ein, um sexualisierte Gewalt, Vernachlässigung und andere Formen der Gewalt in unserer Gemeinde zu verhindern.
- Ich nehme die individuellen Grenzen der Menschen um mich herum wahr und respektiere sie. Ich reagiere achtsam auf ihre Bedürfnisse. Ich handle, wo ich Grenzüberschreitungen beobachte, und lasse mich professionell über weitere Schritte beraten.[1]
- Ich bin mir als Mitarbeiter*in meiner besonderen Verantwortung und dem hohen Maß an Vertrauen, das mir entgegengebracht wird, bewusst. Deswegen gestalte ich einen verantwortungsvollen Umgang in Bezug auf Nähe und Distanz und missbrauche meine Rolle nicht.
- Ich beachte das Abstands- und Abstinenzgebot[2] und nutze meine Funktion nicht für sexuelle Kontakte zu mir anvertrauten Menschen.
- Meine Kommunikation ist respektvoll und wertschätzend. Das betrifft sowohl meine mündliche als auch meine schriftliche Kommunikation, v.a. auch im digitalen Raum.
- Ich achte darauf, dass mein Verhalten immer angemessen ist und bin offen für konstruktive Rückmeldungen dazu.
- Ich handle bei Verstößen gegen Verpflichtungen, die sich aus diesem Kodex ergeben. Ich suche mir Unterstützung.[3]
- In Fällen von Gewalt, sexualisierten Übergriffen oder Missbrauch handle ich gemäß den festgelegten Richtlinien und melde die Vorfälle der zuständigen Stelle. Ich beachte den Interventionsplan von St. Lukas.
Mit meiner Unterschrift und meiner Haltung trage ich zu einer Kirche und einer Gesellschaft bei, in der klar Position gegen Gewalt und Missbrauch bezogen wird.
[1] Die Fachberatungsstelle der ELKB kann für eine Erstberatung (anonym) kontaktiert werden. Telefon: 089 / 5595-342, E-Mail: meldestelleSG@elkbe.de Die Präventionsbeauftragte für den Dekanatsbezirk München ist Christine Glaser. E-Mail: christine.glaser@elkb.de.
[2] § 3 Abstands- und Abstinenzgebot; Seelsorge (1) Mitarbeitende haben bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben eine angemessene Balance von Nähe und Distanz zu wahren. (2) In Seelsorgebeziehungen verbietet sich jede Art von sexuellem Kontakt. (3) Vertrauensbeziehungen und Abhängigkeitsverhältnisse dürfen nicht zur Befriedigung eigener oder fremder Bedürfnisse und Interessen genutzt werden; die Ausübung sexualisierter Gewalt ist allen Mitarbeitenden untersagt.
[3] Vgl. Fußnote 1
Verhaltensregeln für den digitalen Raum
Digitale Räume, in all ihren verschiedenen Ausprägungen, sind in unserer Arbeit nicht mehr wegzudenken.
Wir nutzen soziale Netzwerke, Messenger, Videokonferenzsysteme und viele weitere digitale Werkzeuge, um miteinander zu kommunizieren oder um uns virtuell zu treffen. Gleichzeitig wissen wir, dass mit ihrer Nutzung Risiken verbunden sind. So können digitale Räume für Cybergrooming, Cybermobbing oder andere Formen von Übergriffen genutzt werden. Um diesen Risiken zu begegnen, uns für sichere digitale Räume einzusetzen und die uns anvertrauten Menschen zu schützen, vereinbaren wir für uns folgende Regelungen:
- Wir richten uns nach dem Datenschutzgesetz der EKD.
- Wir achten auf einen reflektierten Umgang mit privaten Handynummern sowie E-MailAdresse.
- Sollte es die Rolle vorsehen, benutzen wir für die Kommunikation mit Teilnehmendenoder deren Sorgeberechtigten eine dienstliche Nummer.
- Hauptamtlichen Mitarbeitenden steht für die Kommunikation innerhalb ihres Aufgabengebietes eine offizielle Nummer zur Verfügung.
- Die Nummern von Teilnehmenden dürfen nicht ohne deren Einwilligung an andereweitergeleitet oder durch das Hinzufügen zu Gruppenkanälen mit anderen geteiltwerden.
- Mitarbeitende der Kirchengemeinde dürfen mit Kindern oder Jugendlichen nur im dienstlichen Kontext und ausschließlich über dienstliche, datenschutzrechtlich freigegebene, digitale Kanäle (z.B. E-Mail, Social-Media-Plattformen) Kontakt haben.
- Wir sind aktiv in der Administration unserer digitalen Kanäle, um Menschen vor belästigenden oder beleidigenden Kommentaren zu schützen.
- Für uns ist jede Form von digitaler Belästigung inakzeptabel. Sollte diese in unserem Einflussbereich stattfinden, bringen wir sie zur Sprache, dokumentieren sie und leiten konkrete Interventionsmaßnahmen ein.
- Teilnehmende und Mitarbeitende werden darüber aufgeklärt, dass sie sich jederzeitan die Ansprechpersonen der Kirchengemeinde (Dekanatsbezirk, Missbrauchsstelleder ELKB) wenden können, wenn sie sich online belästigt oder bedroht fühlen.
- Wir bieten in der digitalen Kommunikation mehrere Möglichkeiten an (z.B. E-Mail Verteiler, Newsletter, Messenger), damit Teilnehmende und Mitarbeitende selbstentscheiden können, welche Wege sie nutzen wollen.
Beratungs- und Beschwerdemöglichkeiten
Rückmeldungen und Beschwerden werden in unserer Kirchengemeinde aufmerksam und ernsthaft aufgenommen. Diese werden nicht bagatellisiert, sondern ernst genommen und gewissenhaft geprüft. Damit das gelingen kann, schaffen wir eine Kultur des Miteinanders auf Augenhöhe.
Wenn Sie von Grenzüberschreitungen oder (sexueller) Gewalt betroffen sind, etwas beobachtet haben oder Angehörige von Betroffenen sind, nutzen Sie bitte eine der folgenden Kontaktmöglichkeiten:
- Leitungspersonen der Gemeinde:
Pfarrer Helmut Gottschling (Tel: +49 89 212 686-27)
Pfarrerin Susanne Herms (Tel: +49 176 5821 6322)
Kirchenmusikdirektor Tobias Frank (tobias.frank@elkb.de) - Ansprechpersonen des Dekanats München für Betroffene
Pfarrer Sebastian Kühnen(Evang. Hochschulgemeinde): ansprechperson.1dekanat-muc@elkb.de
Tel. 0170 61 28 67
Diakonin Melanie Stefan (Jugendreferentin): ansprechperson.2dekanat-muc@elkb.de
Tel. 0151 54 07 26 49
Dipl.- Psych. Anatol Tissen (Evang. Beratungszentrum): ansprechperson.3dekanat-muc@elkb.de,
Tel. 0170 61 27 130 - Fachstelle für den Umgang mit sexualisierter Gewalt in der ELKB
(Telefonsprechstunde für Betroffene, Meldestelle und Beratung im Verdachtsfall) - Externe Ansprechstelle help für Hilfesuchende, die nicht mit Menschen aus der Kirche sprechen wollen
- Lokale Netzwerkpartner:innen
Wildwasser München e. V., Fachstelle für Prävention und Intervention bei sexualisierter Gewalt gegen Frauen und Mädchen; Thomas-Wimmer-Ring 9, 80539 München, Tel: 089/60 03 93 31 info@wildwasser-muenchen.de
KIBS – Kontakt-, Informations- und Beratungsstelle für Jungen* und junge Männer* bei sexualisierter und/oder häuslicher Gewalt (KINDERSCHUTZ MÜNCHEN), Landwehrstraße 34, 80336 München
Tel: 089/23 17 16 91 20 mail@kibs.de
Weißer Ring, Hilfe für Opfer von Kriminalität, Tel: 116-006 (bundesweit), muenchen@mail.weisser-ring.de - Mitarbeitendenvertretung im Evang.-Luth. Dekanatsbezirk München für Mitarbeitende (MAV Dekanatsbezirk, Vorsitzende: Michaela Reiter Herzog-Wilhelm-Straße 24 80331 München.
Tel. 089/54883875 mav.dekanat-muenchen@elkb - Meldestelle nach dem Hinweisgeberschutzgesetz für ehrenamtlich oder hauptamtlich in der ELKB Tätige. Telefonisch: 089 5595-300; Postalisch: Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern, Meldestelle Hinweisgeberschutzgesetz, Katharina-von-Bora-Str. 7-13, 80333 München